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Bildung für nachhaltige Entwicklung

I. Naturerlebnis Grabau
– Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit


Am 20. Juni 2012 erhielten wir das Zertifikat "Bildungseinrichtung für Nachhaltigkeit" von den Ministerien für Bildung und Umwelt! Die feierliche Zertifikatsübergabe fand im Blanken Hans in Büsum statt.
Wir wurden dafür ausgezeichnet, dass unser Angebot die zukunftsgewandte, ganzheitliche Betrachtungsweise von Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) umsetzt. Besonders positiv wurde das Gesamtbild des Naturerlebnis Grabau hervorgehoben: Sehr engagierte und kompetente Mitarbeiter/innen in einer sehr gut durchdachten und sowohl funktionalen als auch schönen Einrichtung. Nicht nur Angebote für Kindergarten und Grundschule mit dem Thema BNE werden von uns angeboten, sondern auch Erzieher/innen und Grundschullehrkräfte im Sinne von BNE geschult.


Was ist Nachhaltigkeit?

Der Begriff der Nachhaltigkeit, der heutzutage inflationär in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft Verwendung findet, hat seine Ursprünge in der Forstwirtschaft und bedeutet dort stark vereinfacht nicht mehr Holz zu fällen, als auch wieder nachwachsen kann. Diese Definition prägt auch das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung von heute.

Das BNE-Zertifizierungssystem in Schleswig-Holstein gibt es seit 2004. Ziel von BNE ist es, die Menschen in die Lage zu versetzen, einen Beitrag zum Erreichen der Ziele der nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Zum einen erreicht man dies dadurch, dass Inhalte und Zusammenhänge kommuniziert werden, die man kennen muss, wenn man unsere Lebensumstände, Gesellschaft und Politik verstehen und mitgestalten möchte. Zum anderen dadurch, dass durch BNE Fähigkeiten geübt und verstärkt werden, die wir für die Lösung so vieler Probleme und Fragen brauchen. Und nicht zuletzt durch das Bekenntnis der Werte des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung: Schonung aller natürlichen Ressourcen, weltweite soziale Gerechtigkeit und gute Lebensbedingungen für alle. Das Ziel der Zertifizierung ist es, die Bildungsarbeit im Sinne des ganzheitlichen Ansatzes von BNE weiter zu entwickeln und den Zertifizierten dafür eine öffentliche Anerkennung auszusprechen.

Zurzeit gibt es 41 Zertifizierte. Vergeben werden die Zertifikate von dem Ministerium für Bildung und Kultur, sowie dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein. Eine Kommission bestehend aus 17 Fachleuten der unterschiedlichsten Verbände und der Geschäftsbereiche des Bildungs- und des Umweltministeriums, prüft die Anträge, berät und gibt seine Empfehlungen an das Bildungs- und das Umweltministerium. Die Zertifizierung ist fünf Jahre gültig, danach muss ein Re-Zertifizierungs-Antrag eingereicht werden.


II. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) im Naturerlebnis Grabau


Das Naturerlebnis Grabau unterscheidet sich von der klassischen Umweltbildung, der entwicklungspolitischen Bildung und dem Naturerleben durch eine Verknüpfung der verschiedenen Perspektiven Ökonomie, Ökologie, Soziales und Kulturelles. Dies spiegelt sich in unseren Konzepten wieder.

Das Naturerlebnis Grabau motiviert mit seinen Angeboten die Kinder zu einem vorausschauenden Handeln. Bei Experimenten können sie gemeinsam mit anderen planen und handeln. Spielerische Aktionen an unserer Kletterwand fördern Empathie und Solidarität gegenüber Schwächeren. Hier gilt es als Team die „Hürde“ zu schaffen nicht als Einzelner. Auch Risiken, Unsicherheiten und Gefahren müssen abgewogen werden.

Nach unserer Überzeugung ist gerade der Wald das ideale Umfeld und ein idealer Lernort für das Nachhaltigkeitsprinzip, weil unsere Wälder eine ökologische, ökonomische aber auch eine soziale Dimension haben. Generationenverantwortung lässt sich gerade im Wald auch für sehr junge Menschen anschaulich erfahren. Das Naturerlebnis Grabau arbeitet nach dem Leitsatz:

Was ich mir selbst erarbeitet habe, hat eine viel tiefere Wirkung als das, was ich gehört oder gesehen habe.


III. Kompetenzen im Sinne von BNE


1)  Weltoffen und neue Perspektiven integrierend Wissen aufbauen:

  • Am Beispiel des Wasserprojektes den Wasserverbrauch weltweit begreifen und unterschiedlichen Wasserverbrauch erkennen


2) Vorausschauend Entwicklungen analysieren und beurteilen können:

  • Wie kann man Wasser sparen und zu einer besseren Verteilungsgerechtigkeit beitragen?


3) Interdisziplinär Erkenntnisse gewinnen und handeln:

  • Wald setzt Themenfelder aus anderen Schulfächern wie Deutsch, Religion, Mathematik und Physik praktisch um.


4) Risiken, Gefahren und Unsicherheiten erkennen und abwägen können:

  • Auf dem Niedrigseilgarten werden die Kinder an ihre körperlichen Grenzen herangeführt und überwinden Hindernisse gemeinsam als Team.
     

5) Gemeinsam mit anderen planen und handeln können:

  • Die Kletterwand des Niedrigseilgartens zwingt die Besuchergruppen, das Vorgehen „Wandbezwingung“ zu planen und gemeinsam die erarbeitete Lösungsstrategie umzusetzen.

6) Zielkonflikte bei der Reflexion über Handlungsstrategien berücksichtigen zu können:

  • Anhand der Erosionskästen erfahren und erleben die Kinder was passieren kann, wenn Regen auf Freiflächen ohne Bewuchs fällt. Die Wichtigkeit von Bodenbewuchs und die Ereignisse, die zu Kahlflächen führen können werden erarbeitet und erklärt.


7) An kollektiven Entscheidungsprozessen teilhaben können:

  • Bei der Nutzung des Treckerparcours durch Kindergartengruppen ist es notwendig gemeinsam den „Holztransport“ zu planen und sich bei allen Arbeitsgängen gegenseitig zu helfen.


8) Sich und andere motivieren können aktiv zu werden:

  • Durch einen Besuch im Naturerlebnis Grabau werden die Kinder motiviert, Wald erneut mit der eigenen Familie zu besuchen und erworbenes Wissen an die Familie weiter zu tragen.

9) Die eigenen Leitbilder und die anderer Reflektieren zu können:

  • Durch Angebote, die andere Zeitalter oder Volksgruppen bearbeiten, werden die Kinder angehalten ihren eigenen Lebensstiel zu hinterfragen.


10) Vorstellung von Gerechtigkeit als Entscheidungs- und Handlungsgrundlage nutzen können:

  • Während des Spiels auf unserem Treckerparcours werden bewusst weniger Trecker herausgegeben als Kinder in der Gruppe sind. Damit alle Kinder gleiche Fahranteile bekommen, muss „gerecht geteilt“ werden.


11) Selbstständig planen und handeln können:

  • Auf Waldspielplatz und Niedrigseilgarten wurden bewusst größere Äste liegengelassen. Diese Gegenstände dienen oft als Baumaterial für Unterstände und Burgen, die im Freispiel selbstständig geplant und gebaut werden.


12) Empathie für andere zeigen können:

  • Durch verschiedene waldpädagogische Spiele versetzen sich die Kinder in Tiere des Waldes indem sie selbst erfahren, welche Schwierigkeiten sich z.B. bei der Nahrungssuche ergeben.

 

IV. Schwerpunktthemen


Unsere Schwerpunktthemen ordnen wir folgenden Handlungsfeldern der Nachhaltigkeit zu:

 

Biodiversität

  • Wald, Wiese, Wasser, Tiere, Boden

Lebensräume

  • Wald, Wiese, See/Teich/Weiher/Tümpel

Energie

  • Waldnutzung, Stromrad

Klima

  • Waldbau, Wald als Klimaregulator

Konsum

  • Erntefest, Bienen, Wasserprojekt

Lebensstil

  • Wasserprojekt, Indianerprojekt, Steinzeitprojekt

Verteilungsgerechtigkeit

  • Wasserprojekt, Indianerprojekt, Bienen, Stromrad

 

V. Methodenvielfalt


Je nach Gruppengröße und Alter der Teilnehmer werden unterschiedliche Methoden eingesetzt. Dies erfolgt meist erlebnisorientiert, z.B. durch Wahrnehmungsspiele, Märchen, Rollenspiele, Bastelarbeiten, Sammeln.
Bei älteren Kindern (3. und 4. Klassen) werden auch folgende Methoden eingesetzt: Arbeitsaufträge, Gruppenarbeit, Experimente.


Mit diesen Methoden verfolgen wir folgende Ziele:

a) Komplexe Situationen/ Zusammenhänge verständlich machen
b) Weltoffenheit und Empathie fördern
c) Teilnehmer motivieren, ihr bisheriges Handeln zu überdenken und ihr zukünftiges Handeln ggf. zu ändern/ bzw. Gelerntes anzuwenden
d) Selbstorganisation durch offene Arbeitsaufträge fördern
e) Spielerisches Üben des Umgangs mit Konflikten
f) Bei Folgebesuchen auf Gelerntes aufbauen, wiederholen, vertiefen und ergänzen